FF Carmina

Carmina

September 2005 — 2009:
• LITURGICA I •
Februar 2009 — Juni 2012:
• LITURGICA II •
Ab Juli 2012:
• LITURGICA III •

Orietur Occidens

Basileû ouránie

Pfingsten

Himmlischer König

Rex caelestis, Paraclite, Spiritus veritatis, ubique praesens omniaque adimplens, thesaurus bonorum et vitam praestans:
Veni et habita in nobis et munda nos ab omni macula et salva, Bone, animas nostras!
Himmlischer König, Beistand, Geist der Wahrheit, überall Gegenwärtiger und alles Erfüllender, Hort des Guten und Spender des Lebens:
Komm und wohne in uns und reinige uns von allem Makel und mach heil, du Guter, unsere Seelen!

W.H.W

Orietur Occidens

Seine Kirche triumphieret

St. Peter und Paul, 29. Juni

Ein vom Aussterben bedrohter Petrus-Hymnus

In meiner Schule, dem Gymnasium Petrinum, war er der inoffizielle Schulhymnus. Doch 1992, beim dreihundertfünfzigjährigen Jubiläum der Schule, habe ich ihn nicht mehr gehört.
Darum soll er hier nun einen neuen Lebensraum finden.
Es gibt einige textkritische Probleme, vor allem Unterschiede zwischen schriftlicher und mündlicher Überlieferung. Im 3. (Halb-)Vers der 1. Strophe «(Wer wird) nur» oder «uns (die Weise lehren)»? Im 1. Vers der 2. Strophe «schätzet» (schriftl.) oder «schätze»? Auf dem «und» der letzten Zeile der Strophe eine Clivis oder ein Podatus? Heißt es im 5. Vers der 2. Strophe «ewig» oder «immer»?
Im 4. Vers steht in der schriftlichen Überlieferung vor dem As von «prei(sen)» ein sinnlos erscheinendes b.

Großer Fürst im Reich des Herren, / Ganz mit Glorie angetan,
Wer wird nur die Weise lehren, / Wie man dich recht preisen kann?
Dich hat Gott als Hirt und Held / Seiner Kirche vorgesetzet,
Daß sie bleibe unverletzet / Von dem Trug und Wahn der Welt.

Zeigend, daß er Demut schätze / Und der Erden Stolz nicht acht’,
Hat dich Gott vom Fischernetze / Zu der Kirchen Haupt gemacht.
Sie bleibt ewig unbewegt, / Und die Pforten von der Höllen
Werden sie auch niemals fällen / Noch was sich auf Erden regt.

Du bist nun in Himmelshöhen, / Hast das Ziel der Welt erreicht,
Welches dir auf Tabors Höhen / Einst hat Christus vorgezeigt.
Also hat der Kirchen Haupt / Einen guten Kampf vollführet,
Seine Kirche triumphieret / In dem Herrn, an den sie glaubt.

W.H.W

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Orietur Occidens

Alma Redemptoris Mater

Advent und Weihnachten

Archaïscher Glanz

Hexameter von klassischer Schönheit:
Alma Redemptoris Mater, / quae pervia caeli
Porta manes, et stella maris, / succurre cadenti,
Surgere qui curat, populo: / tu quae genuisti
Natura mirante / tuum sanctum / Genitorem
Virgo prius ac posterius, / Gabrielis ab ore
Sumens illud Ave,/ peccatorum / miserere.
Hermannus Contractus wird diese Marianische Antiphon zugeschrieben, zuerst von Caesarius von Heisterbach. Der aber lebte zwei Jahrhunderte nach Hermannus, so daß sein Zeugnis nicht außer Zweifel steht.
Nun war Hermannus Contractus ein großer Dichter und Gelehrter; dennoch bleibt die Frage: konnte er, konnte ein Mensch dieser Zeit noch so dichten?
Die Verse entsprechen der klassischen Norm, die Quantitäten stimmen, genauer als bei Ambrosius (etwas ungewöhnlich, aber durchaus nicht regelwidrig ist die Kontraktion von «iu» in «prius» zu einer Länge). Die Zäsuren leiten normgerecht den Teil des Verses ein, in dem der von den Quantitäten bestimmte Rhythmus mit dem Wortakzent zusammenkommt. Ungewöhnlich ist nur, daß dort, wo die Zäsur im dritten Versfuß liegt, im vierten (eine trochäische Zäsur) und im sechsten Vers also, der Rhythmus erst nach einer schwachen Nebenzäsur im fünften Versfuß wechselt.
Erst die Renaissance hat das klassische Metrum wieder begriffen und aufgenommen (was dann später zur von Rom nun wieder aufgegebenen und von den Benediktinern niemals aufgenommenen Hymnenrevision Urbans VIII. führte).
Die Melodien entsprechen nicht der Versstruktur, sind demnach sicher jünger als der Text.
Auffallende Übereinstimmungen verbinden die Antiphon mit den ersten sechs Zeilen des Hymnus «Ave maris stella», der etwa zwei Jahrhunderte älter ist als Hermannus Contractus. Was von beiden ist die Quelle des anderen? Der Vergleich der Texte ergibt kein eindeutiges Ergebnis; aber es ist näherliegend, daß der Dichter des Hymnus seine ersten Zeilen nach dem Vorbild der Antiphon gedichtet hat und dann mit eigenen Gedanken fortgefahren ist, als daß der Dichter der Antiphon zur Bearbeitung nur die ersten anderthalb Strophen des Hymnus herangezogen hätte.
Alma Redemptoris Mater, quae pervia caeli
Porta
manes, et stella maris, succurre cadenti,
Surgere qui curat, populo: tu quae genuisti,
Natura mirante, tuum sanctum Genitorem
Virgo prius ac posterius, Gabrielis ab ore
Sumens illud Ave
,
peccatorum miserere.
Ave maris stella,
Dei Mater alma

Atque semper Virgo
Felix caeli porta.
Sumens illud Ave
Gabrielis ore
,

Funda nos in pace,
Mutans Hevae nomen.
Auch der Hymnus ist schön; neben der Antiphon allerdings erscheint er doch als naïve Kunst.
In der Antiphon «Alma Redemptoris Mater» haben wir ein kostbares Stück antiker Marienfrömmigkeit.
«Erhabne Mutter unsres Herrn» ist eine annehmbare Übertragung der Antiphon ins Deutsche, in der textnäheren alten Fassung von Franz Josef Weinzierl ebenso wie in der beschwingteren von Maria Luise Thurmair («Maria, Mutter unsres Herrn»).

W.H.W

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Orietur Occidens

Vexilla Regis prodeunt

Passionszeit

Eine archaïsche Hymnenmelodie

Der Vesperhymnus der Passionszeit ist Vexilla Regis prodeunt, der in deutscher Übersetzung auch als Kirchenlied verbreitet ist – meistens Des Königs Banner wallt empor, in Baden Des Königs Fahne fliegt empor, mit Melodien, für die die Melodie des Hymnus adaptiert ist.
In Münster gab es eine besondere Melodie des Hymnus, mit der die besonders beliebte 6. Strophe O Crux ave, spes unica sich auch im Laudate fand (Nr. 54). Daneben aber bietet das Laudate den Hymnus noch als Kirchenlied: Des Königs Fahne tritt hervor (Nr. 140). Dieses Lied, das nur in Münster vorkommt (im Münsteraner Diözesanteil des älteren GL gibt es weder mehr dieses Lied noch den Hymnus im Cantus Monasteriensis), hat eine noch andere Melodie, die mit der des Hymnus in diesem Cantus nur locker verwandt ist. Diese Melodie ist schön und wirkt, rein syllabisch, archaïsch (bei Hymnen ist ja syllabischer Bau, ganz anders als bei eigentlicher Gregorianik, oft Zeichen hohen Alters.
Darum sei hier diese Melodie unklaren Ursprungs (Laudate: «T. u. W: Nach d. Hymn. Vexilla regis») dem Hymnus unterlegt, zu dem sie doch wohl gehört:

W.H.W

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